
Mitteilung vom 21. Oktober 2026
Eine Fechtinstitution geht in den Ruhestand
Mit 90 Jahren und nach 75 Jahren als aktiver Fechter verabschiedet sich Dr. Ulrich Schülke mit Ablauf des Jahres 2026 als Übungsleiter unserer Fechtabteilung. Seit seinem Eintritt im Jahr 1970 hat er ganzen Generationen das Fechten beigebracht.
Lieber Uli,
wir gratulieren Dir herzlich zu Deinem persönlichen Jubiläum. 75 Jahre Fechten sind eine sehr lange Zeit – so etwas gelingt nur sehr wenigen. Im Oktober 1970 bist Du in den TuS eingetreten, und inzwischen sind es bei Dir beeindruckende 56 Jahre Mitgliedschaft geworden!
Begonnen mit dem Fechtsport hast Du schon im Jahr 1951 bei der TSG in Öhringen. Herausragend ist Dein Deutscher Meistertitel 1955 im Friesenkampf – einem sportlichen Mehrkampf aus den Disziplinen Fechten, Schwimmen, Luftgewehrschießen, Kugelstoßen und Laufen.
Aufgefallen ist uns schon früh Deine genaue Beobachtungsgabe von Fechtaktionen und Bewegungsabläufen sowie Dein unglaubliches Fachwissen über den Fechtsport. Entsprechend anstrengend konnte Deine Beinarbeit sein oder die Lektionen, die uns eine fundierte Technik vermittelten. Mit einer Engelsgeduld erklärtest Du feinsinnig die Aktionen, den Ablauf und warum man sie genau so ausführen muss.
Seit 1980 hast Du als Übungsleiter ganzen Generationen von Fechtern ein hervorragendes Rüstzeug für Gefechte und Turniere mit auf den Weg gegeben. Als Obmann hat uns immer beeindruckt, wie sicher Du bei Deinen Entscheidungen stets die gefallenen Treffer präzise erläutert hast – da gab es keine Diskussionen, egal ob beim Training, bei den Clubmeisterschaften oder auf Turnieren.
Beim TuS hast Du Dich hauptsächlich auf die Ausbildung der jungen Fechter konzentriert. Daneben hast Du den Übungsbetrieb, insbesondere für das Florett, gestaltet und die Runden organisiert. Zusätzlich hast Du für Dich selbst noch einige Seniorenmeisterschaften in allen drei Waffen bestritten. Beim Deutschlandpokal 1984, den der TuS im Säbel gegen den USC München gewann, bist Du als Ersatz für einen fehlenden Fechter eingesprungen und hast maßgeblich zum Sieg beigetragen. Auch 2006 warst Du nochmals als Ersatzmann im Finale des Deutschlandpokals im Säbel dabei.
Regelmäßig warst Du Teilnehmer bei unseren Clubmeisterschaften, zuletzt 2007 im Säbel. Bis 1980 warst Du bei den Aktiven zwei Mal Clubmeister im Florett und fünf Mal im Degen – später folgten noch mehrfache Titel bei den Senioren Deiner Altersklasse.
Äußerst beeindruckend ist auch Dein Wissen über die Geschichte des Fechtens sowie darüber, was sich vom Fechten in der deutschen Sprache wiederfindet. Dies hat sich in zahlreichen Veröffentlichungen niedergeschlagen – zum Beispiel 1987 in einer Sonntagsbeilage der Stuttgarter Zeitung, 2015 in mehreren Ausgaben der Zeitschrift „Fechtsport“ des Deutschen Fechterbundes oder in zahlreichen Festschriften. Von 1974 bis 2003 hast Du zudem akribisch unsere Vereinschronik geführt.
Hinzu kamen immer wieder fundierte Fachvorträge bei Geburtstagen, Jubiläen oder beim Festakt „100 Jahre Württembergischer Fechterbund“. Vor Ort gab es von Dir mehrfach Präsentationen des Fechtsports bei Stuttgarter Sportfesten. In besonderer Erinnerung bleibt auch das mittelalterliche Bidenhänderfechten, das Du zusammen mit einem unserer Fechter in Kostümen des Staatstheaters beim TuS-Ball 1984 im SI-Hotel vorgeführt hast. Ein ganz anderes Fechten als das heutige Sportfechten, mit historischen Aktionen und Stellungen wie „Krone“, „vom Tag“, „Pflug“ oder „Zwerchhau“. Die Holzschwerter dafür fertigte man in einer nächtlichen Aktion an – eines davon hängt bis heute bei uns in der Halle.
Was viele nicht wissen, ist Deine fundierte Kenntnis der Degerlocher Stadtgeschichte als ortskundiger Historiker und Buchautor. Auch musikalische Qualitäten zeichnen Dich aus: Du hast selbst Bratsche gespielt und jahrelang die Konzertreihe „Kammermusik in der Haigst-Kirche“ geleitet. Zu unserem 60. Jubiläum 1992 hast Du das Musikstück „Die Fechtschule“ aus dem Jahr 1668 ausfindig gemacht, das von fünf Fechterinnen und Fechtern musikalisch vorgetragen wurde.
Organisatorisch hast Du Gewaltiges geleistet: Von 1975 bis 1977 warst Du Präsident des Fechtclubs, Du hast zahlreiche Clubmeisterschaften ausgerichtet und an der Organisation der Junioren-Fechtweltmeisterschaft 1986 in der Schleyer-Halle mitgewirkt. Bei der deutschen Wiedervereinigung 1990 knüpftest Du Kontakte zum SC Motor Jena, und Dein sozialer Einsatz galt stets auch internationalen Fechterinnen und Fechtern in unserem Verein.
Für Dein herausragendes Engagement wurdest Du vom Württembergischen Fechterbund, dem WLSB, dem Deutschen Fechterbund sowie vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart mehrfach geehrt.
Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen. Zum Abschluss bleibt unser ganz herzlicher Dank für Dein Engagement und die vielen Spuren, die Du in den 56 Jahren in unserer Fechtabteilung hinterlassen hast. Mit bald 90 Jahren darf man sich nach so einer beeindruckenden Lebensleistung verdient zur Ruhe setzen. Wir wünschen Dir einen wunderschönen und langen fechterischen Ruhestand!
Deine Fechterinnen und Fechter vom TuS Stuttgart































